2) SING- & LIEDANLEITUNG
Wie lange ein Lied singen?
Sehr unterschiedlich, je nach Gruppe und Situation.
- in die Runde schauen/spüren und einschätzen, ob die Leute innig dabei sind oder ob einige unruhig werden.
- ein lang gesungenes Lied in einen Abend einflechten und als "Experiment" deklarieren und nachher austauschen
- manchmal kann auch das Lied nach einem ‚durchgestandenen Tief‘ an besonderer Kraft gewinnen.
- Wenn von einigen das Bedürfnis besteht, die Lieder länger zu singen, gibt es auch die Möglichkeit Spezialanlässe anzubieten, in denen die Lieder (sehr) lange gesungen werden.
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Mehrstimmige Lieder
- Idealerweise hat man als SinganleiterIn stimmsichere 'AssistentInnen' für jede Stimme (SA-TB), welche die einzelnen Gruppen stützen.
- Man kann die einzelnen Stimmen auch auf verschiedene Singabende aufteilen: Hauptstimme / Hauptstimme + 2. Stimme / Hauptstimme + 3. Stimme / usw. .. für späteres Zusammenfügen aller Stimmen
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Abschluss eines Liedes
- Besonders schön ist es, wenn das Lied selber die Führung übernimmt und die Singenden dem Lied 'dienen' und wir als Singende unsere 'Schwarm-Intelligenz' entwickeln und gemeinsam merken, wann das Lied ein Ende hat.
- Als SinganleiterIn kann ich auch Impulse zum Beenden geben: letzte Wiederholungen anzeigen mit Fingern (3-2-1) / mit Begleitinstrument aufhören / Gesang und Instrumentalbegleitung verlangsamen / ...
- In einem Anleitungsteam hat der/die, welche/r das Lied eingebracht hat, die Leitung - auch beim Schluss.
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Dynamik des Liedes / Tempo und Lautstärke
- Besonders schön ist es, wenn das Lied selber die Führung übernimmt und die Singenden dem Lied 'dienen' und wir als Singende unsere 'Schwarm-Intelligenz' entwickeln und gemeinsam merken, wann das Lied lauter/leiser & schneller/langsamer werden will.
- Wichtig ist es, dass die Dynamik zum Wesen des Liedes passt. Dies ist subjektiv. Dazu kann gerne experimentiert und darüber ausgetauscht werden.
- Als SinganleiterIn kann ich auch Impulse dazu geben - mit Handzeichen oder damit, dass ich musikalisch selber die gewünschte Dynamik initiiere
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Der Stille nach dem Lied Raum geben
Hinweis an die Singenden
- "Das Singen ist wie das Kochen - die Stille nach dem Lied wie das Essen." In der Stille nach dem Lied gelingt es am besten, nachzuforschen, ob und wie mich das Lied berührt und genährt hat. Wenn ich immer wieder ähnliche Empfindungen habe in der Stille nach dem Lied, kann es in die individuelle 'Lieder-Apotheke' aufgenommen werden.
- Nach dem Singen das Lied nochmals 1x, 2x, ... mit dem Herzen singen = still, aussen nicht hörbar, nur mit den inneren Ohren, mit den Ohren des Herzens, nachher noch der Stille hinter der Stille Raum geben
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Singbasis stärken / Ungeübte Singende unterstützen
- im Vorfeld eine Einladung an die Singenden verschicken mit (allen oder einigen) Links zu geplanten Liedern (fakultatives Angebot für Interessierte)
- in der Gruppe ein Sing-Unterstützungsteam (idealerweise 2 Frauen: Sopran-Alt & 2 Männer: Tenor-Bass) haben, welche die Stimmen stützen
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SängerInnen sinken bei Lied (... singen 'flat')Gruppen tendieren dazu, bei lang ausgehaltenen Tönen, längerem Singen oder bei Müdigkeit zu sinken (Schwerkraft).
Präsenz der SinganleitungDie Präsenz in Seele und Körper ist hilfreich, damit auch das Singen mit Präsenz und Hingabe geschieht.
Als SinganleiterIn bin ich dafür ein Beispiel. Meine Präsenz und Verbundenheit strahlt auf SängerInnen aus. Wenn ich die Tonhöhen mit der Hand anzeige, achte ich darauf, dass die Hand und die Finger energievoll sind (Vorstellung: von den Fingerspitzen geht ein Lichtstrahl oder die Klänge des Liedes aus)
Mögliche Bilder für Singende:
- feines Lächeln im Gaumenbereich, dieses Lächeln ins Herz und in die Augen senden, aus den Augen strahlen
- Ton über die Meeresoberfläche oder von Berggipfel zu Berggipfel (wie ein Seil) schicken
- räumliches, distanziertes Ziel fokussieren und Ton dorthin schicken und nachschauen, bis es ‚angekommen‘ ist
- hohe Töne als Engel von der Wolke auf die Erde schicken, wie einen Segen, ..
- 'Schinkentanz' auf Stuhl = aus Sitzbeinhöckern an Stuhlrand hin- und herschaukeln und einmitten
- Bewusstsein auf Grübchen in der Mitte der vorderen Fussballen ('Fuss-Mund') - wie ein Panther gehen und durch diesen 'Fuss-Mund' ein- und ausatmen = Verbindung zur Erde
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Umgang mit „Gernsingenden FalschsängerInnen“ in der Gruppe
... Wandlung & Entwicklung ist möglich …
- Beim Improvisieren gibt es kein Falschsingen – jedoch schon beim Singen von Melodien und Mehrstimmigkeiten
- Das „Richtig-Singen“ hängt vor allem mit dem Zugang zum Inneren Hören zusammen.
- Das Innere Ohr kann durch Zuhören und erst dann Nachsingen geschult werden.
- Unterschied zwischen Singenden, die sich des Falschsingens bewusst sind oder nicht – wenn bewusst, ist es für die Singanleitenden einfacher.
- Hinweis/Frage am Anfang: „In dieser Gruppe singen wir einfache Lieder ohne Noten. Hier kannst du neue Erfahrungen mit dem Singen machen. Gibt es hier Leute, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, oder denen man früher gesagt hat, dass die falsch singen?“ - „Alle können lernen, die Töne zu treffen und mehrstimmig zu singen.“ > Tipp: Umgeben sein von Stimmsicheren / vorne (nicht hinten) hinstehen = Rückenwind / eher leise singen = mehr Klang-Information
- FalschsängerInnen singen oft laut und haben so weniger genaue Klanginformation: „Jetzt singen wir mal wie Grossmütter&Grossväter, Kind in den Armen, Kind schläft schon fast (samtige Stimmqualität) / Kann ich NachbarIn noch hören? / Verschiedene Tiere: Bildkarten von verschiedenen Tieren: Maus – Katze – Hund- Pferd – Elefant - … > SINGKARTEN für Singqualitäten und Gruppenaufteilung u.a. bei Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung / auch Kontakt aufnehmen mit Bezugsperson & Wünsche anbringen (evtl. geistig-Behinderten eine wichtige Zusatzaufgabe geben: Textblatt blättern)
- Harmonien singen, wie beim Zäuerli / lange Töne / langsame Lieder / Anfangstöne des Liedes nochmals angeben / intonieren: „Losed nomal guet!“
- Wenn zu schnell ins Mitsingen eingestiegen wird: „Zuerst alle 2-3x zuhören, erst dann mal leise beginnen, mitzusingen.“ (… für die Meisten sehr schwierig, so lange „nur“ zuzuhören) Zuhören (das innere Hören trainieren) kann unterstützt werden, indem ich als SinganleitendeR mit beiden Zeigefingern auf meine Ohren zeige. Wenn ich zum Mitsingen einlade, mit Geste zeigen (z.B. Hände nach vorne) Lied langsam einführen / z.B. auch von der Mitte aus frontal zur Stimme, die ich anleite
- Ausdrucks-Räume für „Falsches / Schräges / Eigenes / Originelles“ anbieten: Improvisation: FalschsängerIn soliert / alle können mal solieren, Mut, möglichst schräg zu singen - die anderen versuchen, in der Spur zu bleiben / eigene Toleranz gegenüber schiefen Tönen
- Erfahrung von Vasant Weber, Basel&Bottmingen: „Wer möchte mit ihm (älterer Mann der immer sehr laut und falsch singt) gemeinsam singen (gegenüber, in Augenkontakt)? / Dialog
- Inspiration: Eine „Gernsingende Falschsänger“ – (Name evtl. geschützt) Singgruppe gründen (… verbunden mit dem Singnetz von StimmVolk.ch – singend Brücken bauen) >www.gernsingende.at
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